Bergtour auf die obere Wettersteinspitze

Das Bergwetter war ja die letzten Wochen gerade in den Nordalpen nicht wirklich gut geeignet für schwere Bergtouren, weshalb ich mich kurz entschlossen mit einem Freund für eine eher leichtere Tour auf die Obere Wettersteinspitze (Wettersteingebirge, direkt über Mittenwald in der Zugspitzregion) verabredete. Wir beide kommen aus der Nähe von Landshut, weshalb wir sehr früh aufstehen und damit auch sehr früh losfahren mussten, da es sich bei einer Tour auf die Obere Wettersteinspitze doch um eine etwa 6 – 8 Stunden lange Tour handelt (6 wohl eher ohne Pausen). Der Wetterbericht des DAV sagte am Abend zuvor noch perfektes – wenn auch etwas kühles – Wetter voraus, was dankenswerter Weise bis auf die 7°C in 2000m auch zutraf.

Nach ca. zwei Stunden Autofahrt erreichten wir Mittenwald und begaben uns auf Parkplatzsuche. Hier unterscheiden sich die einschlägigen Tourenberichte sehr voneinander, da es direkt von Mittenwald in Richtung Lautersee und Ferchensee ein einziges riesiges Spinnennetz aus verschiedenen Wanderwegen gibt, die aber im Grunde alle irgendwann am Ferchensee vorbeilaufen. An der Ortsausfahrt nach Leutasch geht es eine Passstraße nach oben und direkt (ca. 200m) nach der ersten Kehre ist ein kleiner Seitenstreifen auf dem sich der PKW kostenlos abstellen lässt.

Der Ferchensee

Am FerchenseeAlso Schuhe an, Rucksack geschultert und los geht’s. Da wir beide keine großartige Lust hatten auf einer Schotterstraße in mäßiger Steigung zum Ferchensee zu gelangen (und weil wir nicht genau wussten, wo wir dann hätten losgehen müssen :-) ),  sind wir die Straße vom Parkplatz aus noch etwas weiter nach oben und nach wenigen Schritten nach rechts abgebogen auf den lauschigen Waldlehrpfad. Hier kann man sich recht gut an den Schildern orientieren, allerdings mit einer Ausnahme: Kurz vor Erreichen des Ferchensees steht ein Schild mit der Aufschrift „Obere Wettersteinspitze“. Diesem Schild folgen wir jedoch NICHT, sondern gehen weiter bis zum Ferchensee, der auch hier ausgeschildert ist (das ist laut mehreren Führern schneller und schöner). Nun erreichen wir bald den wunderschönen Ferchensee (bis hier ca. 45 min), der für eine tolle Erfrischung nach dem kraftraubenden Abstieg sorgt.

Weiter geht’s dem Weg um den See herum linkerhand folgend, über eine buckelige Wiese und dann einen Wiesenhügel hinauf (Steiler Pfad). Wichtig ist, nicht auf die Hütte links des Hügels zuzugehen, sondern wirklich direkt den Pfad in der Mitte des Hügels hinauf zu folgen (gut auf dem Bild zu erkennen)!

Auf dem Weg zum Gamsanger

Ab hier beginnt der anstrengende und steile Teil der Tour. Wir folgen dem Pfad ab hier immer weiter ohne uns schwierig orientieren zu müssen. Immer weiter nach oben gehend, kommen wir nach nicht allzu langer Zeit aus dem Bergwald heraus und erreichen alsbald das erste Kar, das allerdings nicht weiter erwähnenswert ist. Das zweite folgt wenig später, der Weg bleibt anhaltend steil und mitunter auch mal ausgesetzt. Hin und wieder hilft auch ein Stahlseil den Nerven nicht allzu gefestigter Bergsteiger. Wirklich schwierig wird es nicht, es bleibt im unteren I Grad nach UIAA.

Am GamsangerNach etwa drei Stunden Gehzeit erreichen wir den malerischen Gamsanger. Dieser eignet sich perfekt für eine letzter Rast vor dem Gipfelsturm an, bietet er doch eine wundervolle Aussicht. Nach dieser Rast geht es nun den letzten Aufschwung bis zum Gipfel. Dieser schaut zwar recht wild aus, ist aber im Grunde harmlos – aber etwas länger als gedacht, so dass wir vom Gamsanger noch mal knapp 45 min bis zum Gipfel benötigen, welchen wir aber immerhin von hieraus schon recht gut sehen können.

Der Gipfelsturm

Die WettersteinspitzeWir klettern über einen kleinen Felsblock und erreichen noch einmal einen etwas schottrigen Aufschwung, in dem es heißt: zwei Schritte vor und einer zurück. Spätestens nach diesem sollte nun jeder einen Helm aufsetzen, denn es purzeln doch immer wieder mal Steine herunter. Wir bewegen uns ab jetzt bis zum Gipfel in leichter I er Kletterei weiter, ohne jedoch jemals wirklich ausgesetzt zu sein. Kurz vor dem Gipfel kommt dann noch einmal eine kurze ausgesetzte aber durch ein Drahtseil entschärfte Stelle. Als dann stehen wir auf dem wunderschönen Gipfel, vom welchem wir die Ausläufer des Karwendel, die Partenkirchner Dreitorspitze und das Zugspitzplatt bewundern. Mittenwald liegt uns zu Füßen.

Nach ausgiebiger Rast starten wir den Abstieg auf dem Aufstiegsweg. Dieser geht im Grunde recht schnell, sollte aber nicht unterschätzt werden. Wer rennen will, kann das gerne tun, sollte aber dann so trittsicher sein, dass er nicht ausrutscht, das könnte in diesem Gelände böse Folgen haben.

Die Tour in Zahlen:

Höhenmeter: 1450 m
Länge: ca. 16 km – ca. 7h

Anforderungen: mittelschwere (rote) Bergtour. Nach SAC-SkalA ca. T4. Ausgesetzte und steile Wege machen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zur absolut notwendigen Voraussetzung. Konditionell geht die Tour dank des steilen Geländes recht gut in die Beine.

Euer Alpen-Reporter

Niklas

Weitere Bilder vom Wettersteingebirge

Blick auf den FerchenseeAm GamsangerBlick zur WettersteinspitzeBlick vom GipfelBlick ins TalAbstieg von der Wettersteinspitze

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